Die B8-Umfahrungen

Es vergeht kaum ein Tag, an dem kein Mensch auf der B8 irgendwo im Stau steht. Meist gefolgt vom Stoßseufzer: Warum haben die nicht die Umfahrung gebaut?

Das ist sehr verständlich. Man steht im Stau und eine Umfahrung verspricht Erlösung. Und außerdem ist dieser Gedankengang einfach. die Wahrheit ist es aber nicht einfach.

Der Bundesverkehrswegeplan

Der BVWP ist der Straßen-Bebauungsplan des Bundes. Darin werden mögliche und erfolgte Straßen  Autobahnen, bundesstraßen, aber auch Wasserstraßen und Schienen  festgehalten. Das Interessante an diesem Plan ist, dass für jedes Bauprojekt eine Vorher-Nachher-Analyse vorhanden ist. Man sieht also, wie sich der Verkehr durch den Bau einer Umfahrung verändert, ob und wo es mehr oder weniger Verkehr gibt und dieser aufgeschlüsselt nach PKW und LKW.

http://www.bvwp-projekte.de/map_street.html

Einige der Umfahrungen an Bundesstraßen liegen in großer räumlicher Nähe zur Autobahn. Der erfasste Kartenausschnitt erfasst also auch die Autobahn. Auffallend hierbei ist, dass praktisch immer – auf jeden Fall immer an der B8 die Bundesstraße nach dem Bau einer Umfahrung mehr Verkehr hat als vorher. Die direkt an der Umfahrung lebenden Menschen werden also entlastet. Die Autobahn wird auch entlastet.

Der Verkehr löst sich aber nicht in Luft auf, wenn er die Umfahrung wieder verlassen hat und auf der alten B8 weiterfährt. Nein, dieser erhöhte Verkehr belastet nun auch alle Menschen, die in den nachfolgenden Orten wohnen. Ein typisches Beispiel für das St.-Florians-Prinzip.

Bad Camberg, Glashütten usw.

Bad Camberg ist bereits bei der Aufstellung des Bebauungsplans für die Umgehung. Glashütten soll auch eine bekommen, weigert sich aber, weil die aktuell diskutierte Trasse durch den Friedhof gehen soll. Ich frage mich, ob sie sich immer noch weigern, wenn der Verkehr durch die Bad Camberger Umfahrung zunimmt.

Die alte B8-Umfahrung von Königstein

Die alte B8 wollte die B8 von Glashütten in Richtung Hofheim/Kelkheim ausbauen. Das wäre mit den anderen Umfahrungen zusammen eine prima Entlastung für die A3. Leider, nur leider biegt aber der der meiste Verkehr in Königstein am Kreisel Richtung Bad Homburg ab. Die B8 würde also gar nichts helfen. Ich kenne leider die genauen Zahlen nicht, Königstein mauert hier teilweise und Hessen mobil hält sich auch bedeckt. Deshalb kann ich hier nur Bruchstücke angeben, die ich hier und da aufgeschnappt habe.

  • Ca. 80% des Verkehrs ist innerstädtisch, also Quelle oder Ziel Königstein. Demzufolge sind 20% Durchgangsverkehr. (Hörensagen BUND)
  • 21.000 Fahrzeuge kommen aus Limburg. 4.000 fahren nach Mammolshain und 18.000 nach Kronberg/Bad Homburg. (Ascan Iredi, 16.01.2018, anlässlich der Bürgermeisterwahl auf der Podiumsdiskussion der Taunus Zeitung)

Damit dürfte ganz klar belegt sein, dass die B8-Umfahung von Königstein kaum eine Veränderung der Stausituation am Kreisel gebracht hätte.