Wozu brauchen wir den ÖPNV?

Eine dumme Frage. Oder nicht? Nein, das ist keine dumme Frage. Denn die Antworten haben es in sich. Hier mal ein paar Antowrten und Kommentare dazu.

  1. "Ich brauche keinen ÖPNV, ich habe ein Auto." - Ja, das dürften, zumindest hier in Königstein und Kronberg (der Hochtaunuskreis hat, nebenbei erwähnt, die bundesweit (!!!) höchste Rate an Fahrerfluchten!) sehr, sehr viele Leute denken. Dementsprechend viele Kinder werden mit dem Auto in die Schule gebracht, dementsprechend viel überflüssiger Verkehr findet auch statt. Mal eben zum Frisör. Am Nachmittag zur apotheke, weil man vormittags den Zettel vergessen hatte. Die Kinder zur Schule, zum Verein bringen. Dazwischen einkaufen, oder auf die Arbeit fahren... usw. usf.
  2. "Ich brauche den ÖPNV, weil ich mir kein Auto leisten kann." - Das sind leider sehr wenige in Königstein, die so denken. Denn die, die sich kein Auto leisten können, können sich auch meist Königstein nicht leisten. Das führt zu einer einseitigen solzialen Schichtung/Schieflage und das tut keiner Stadtgesellschaft gut.
  3. "Ich brauche den ÖPNV, weil ich die Umwelt schonen will." - Das sind leider die aller-allerwenigsten.
  4. "Wir brauchen den ÖPNV, damit der Stau abnimmt."
  5. "Wir brauchen den ÖPNV, damit auch die aus dem Hintertaunus da wohnen bleiben können und nicht in den Vordertaunus oder nach Frankfurt ziehen müssen."
  6. "Wir brauchen den ÖPNV, damit in Frankfurt und dem Vordertaunus weniger Wohnungen gebaut werden müssen, mithin mehr Natur erhalten bleibt."

Und jetzt die Kommentare.

Allen  Antowrtern im Stile Nr. 1 kann man sagen, dass sie sehr egoistisch denken. Wer so antwortet, der darf sich über Staus in der Innenstadt nicht beschweren, er macht ja mit, dass es sich nicht bessert. Nr. 2 und 3 sind leider, leider viel zu selten.

Die Antworten 4, 5 und 6 dagegen belegen, dass sich der Antworter mal generell Gedanken um das große Ganze, siene Mitmenschen und die Konsequenzen gemacht hat.

Aber was macht unsere Politik?

Unsere Politik macht das, was Menschen eben so machen. Sie entscheiden so, wie sie eben als Menschen sind. Und wenn man sich unsere Mehrheitsverhältnisse so ansieht, wird sich daran auch in Zukunft nicht viel ändern.

Konservative Kräfte sind am Werk. Soziales wird nicht eben groß geschreiben, Hauptsache uns geht es gut und wir können den Status quo erhalten. Dass man dann natürlich auf Jahre weiter mit dem Stau und dem Verkehr leben muss, dass hier und andernorts immer mehr Flächen zubetoniert werden, während in der "Pampa" die Häuser leerstehen und verfallen, das hat man nicht auf dem Schirm. Und wenn doch, dann ist das eben nicht so wichtig.

Neoliberale Kräfte sind außerdem am Werk. Leider wird eine neoliberale Wirtschaftspolitik inzwischen nicht nur von der FDP und der CDU, sondenr auch von anderen Parteien vertreten. Das eigenltich liberale, die Freiheit, die Chance selbst entscheiden zu können, bleibt dadurch auf der Strecke. Wenn ich kein Geld habe, muss ich woanders hinziehen. Dann kann ich mir ein hochpreisiges Königstein nicht leisten. Tja, selbst Schuld. Hättest Du doch eine bessere Ausbildung gemacht. Hättest Du Dich doch mehr im Beruf angestrengt und damit mehr Erfolg im Beruf gehabt. Wärest Du doch nicht so oft krank geworden. Hättest Du eben kein behindertes oder psychisch auffälliges Kind gehabt. Selbst Schuld oder eben Pech gehabt, Dein Problem, nicht meines. Alle haben die gleichen Chancen - oder nicht?

Nein, es haben eben alle nicht die gleichen Chancen. Und mit Charity-Spenden schafft man auch keine. Man schafft nur für einen klitzekleinen Teil der Menschen eine winzige Verbesserung. Was kann ein Kind dafür, wenn es nicht da wohnt, wo die Lions oder die Rotarier der Schule etwas gespendet haben? Das ist nicht fair. Charity ist unfair und damit auch unsozial, sie trifft eine Vorauswahl, sie behandelt eben nicht alle Menschen gleich und fair. Das kann ise auch nicht. charity ist eine Notlösung für einen Staat, der kein soziales Netzt hat. Wie z.B. den USA. Und damit letztlich Gift für unser soziales Netz hier in Deutschland. Denn: Warum soll ich sozial wählen, wenn ich mit Charity doch auch gleichzeitig nur meinem privaten Wohlergehen etwas gutes tue und obendrein ein gutes Gewissen mir "erkaufen" kann?

Was sollte unsere Politik machen?

Sie sollte eben nicht egoistisch handeln. Alle Stadtverordneten werden gewählt, um es allen Bürgern zu ermöglichen, ihr Leben möglichst fair und so einfach wie möglich gestalten zu können. Ein Stadtverordneter also, der für eine Kindergartengebühr stimmt, ist also kein Stadtverodneter für alle, sondern nur für eine Klientel: Für die, die das nötige Geld dafür haben. Das ist weder sozial noch fair.

Auf den ÖPNV bezogen bedeutet das, dass der ÖPNV massiv ausgebaut werden muss:

- damit die Staus weniger werden.

- damit die Luft sauberer wird.

- damit es alle schneller zur Arbeit haben.

- damit die Kinder gefahrlos selbst in die Schule gehen und fahren können.

- damit auch in den Randbereichen des Rhein-Main-Gebiets die Leute wohnen bleiben können.

- damit im Zentrum des Rhein-Main-Gebiets die Grünflächen (ob Landwirtschaft, Natur, Erholungsgebiete, Parkanlagen, große Hausgärten usw.) erhalten bleiben.

- weil das auch billiger ist. Eine Jahreskarte im ÖPNV ist billiger als ein Zehntel eines Autopreises, plus Versicherung, plus Steuer, plus Sprit - und die Umweltverschmutzung ist dabei noch gar nicht eingerechnet.

Ja, aber...

- Ich bin mit dem ÖPNV dann länger unterwegs als jetzt.

- Ich komme mit dem ÖPNV garnicht dahin, wo ich hinmuss.

Ja, leider.

Zwei Gründe mehr, warum der ÖPNV dringend ausgebaut werden muss.