Was hat das Anflugverfahren des Flughafen Frankfurts mit uns zu tun?

Sehr viel. Denn dieses Verfahren regelt die Flughöhen bis in einen Umkreis von bis zu 50 km! Und da drin wohnen wir auch.

Wie macht es der Frankfurter Flughafen (Fraport)?

Die Fraport läßt die startenden Flugzeuge UNTER den landenden Flugzeugen fliegen.

Das heißt, dass die startenden Flugzeuge nach dem Start schnell auf ca. 2.000 m steigen und dann für ca. 20 km dort bleiben. Dann steigen sie erneut bis auf ihre tatsächliche Reiseflughöhe. Dieses Steigen bedingt ein Beschleunigen, wie beim Auto, also mehr Lärm. Das erneute Steigen findet also im 20-km-Umkreis um Frnakfurt statt. Und in diesem Umkreis liegen Königstein, Kronberg, etc., dort beginnt der Taunus.

Über unseren Köpfen geben die Piloten also wieder Gas, um weiter zu steigen. Und das bedeutet mehr Lärm als nötig...!

Andere Flughäfen haben andere Anflugverfahren. Dort "segeln" die Piloten auf relativ geringer Höhe in den Flughafen. Die startenden Maschinen dagegen steigen sehr schnell sehr hoch. Dort fliegen also die landenden Maschinen unter den startenden hindurch.

"Starten" ist grundsätzlich lauter als "Landen". Genau wie beim Auto.

Allerdings hängt es beim Flugzeug von der Windrichtung und seiner Stärke ab, wie stark der Pilot Gegenschub (= Lärm) geben muss, um zu bremsen.

Vorteile durch dieses Anflugverfahren für den Flughafen und die Airlines.

Dadurch, dass dieses Anflugverfahren (startende unter landende Flugzeuge) gewählt wird, wird der Lärmbereich der startenden Flugzeuge weiter weg vom Flughafen verschoben. Effekt: die nähere Umgebung, also die, die sowieso sehr vom Fluglärm geplagt ist, wird lärmtechnisch entlastet. Bei vielen Häusern wurde es dadurch so "leise", dass der Flughafen keinen Lärmschutz (z.B. Lärmschutzfenster, spezielle Lüftungen) mehr bezahlen muss. Zusätzlich wurde es aber im Umland gerade nur soviel lauter, dass dort eben auch noch keine Lärmschutzmaßnahmen gesetzlich nötig werden. Durch eine Verlärmung eines größeren Umfeldes sinken also die Ausgaben für den Lärmschutz beim Flughafen. Siehe dazu auch Allgemeines zu Lärm.

Hinzu kommt, dass die landenden Flugzeuge in unterschiedlich großen Kurven um das Flughafengebiet herum gelotst werden und teilweise parallel fliegen. Dadurch können leichter größere mit kleineren Flugzeugen abwechseln, was wegen der Wirbelschleppen sinnvoll ist. Das Abwechseln ist einfach: ein großes voraus, ein kleineres hinterher. Beide fliegen nun gleichzeitig eine Kehre um 180°, ein U-Turn: Voiá: Nun ist plötzlich das kleinere vor dem großen Flugzeug! Das vereinfacht auch die Arbeit der Fluglotsen.

Außerdem kann ein Flugzeug ohne Probleme um den Flughafen kreisen, wenn es etwa zu schnell ist und ddie Parkbucht noch belegt ist. Solange ein Flugzeug nämlich fliegt, sind die Passagiere ruhig, sie fliegen ja noch. Aber Rumstehen auf dem Flugfeld, bis endlich die Parkbucht frei ist, ist nervig für alle und spiegelt sich in Beschwerden wieder. Das ist dann auch billiger für die Airline.

Woran kann ich startende von landenden Flugzeugen bei den Flugspuren unterscheiden?

Dazu muß man sich die Windrichtung ansehen. Flugzeuge fliegen am liebsten gegen den Wind. Danach richtet sich auch der Flughafen mit seiner Betriebsrichtung.

Kommt der Wind aus Osten (rechts), starten die Flugzeuge nach Osten (rechts) und landen von links kommend. Dreht der Wind auf Westen, dreht auch der Flughafen seine Betriebsrichtung. Bei Winden aus Norden und Süden richtet sich der Flughafen auch nach den Windstärken und der Richtung, aus der die meisten Flugzeuge kommen.

Die Betriebsrichtung wird unter der Messkurve einer Station angezeigt: Die bunten, schmalen waagerechten Balken.

Also: Steht unten die "Betriebsrichtung West", dann starten die Flugzeuge nach Westen und landen von Osten her.

Bei Betriebsrichtung West bedeutet das, dass alle im Westen des Flughafens mehr Lärm abbekommen, als alle im Osten sozusagen. Dann fliegen auch die meisten Flugzeuge über Königstein und Kronberg.