U3-Kinderbetreuung

Mit U3 ist Betreuung für Unter-3-jährige gemeint. Seit 2007 fördert das Land Hessen mit dem Bambini-Programm und seit 2008 mit Bamibini-Knirps den Ausbau der Versorgung mit Betreuungsplätzen. Rund 165 Mio. € wurden dafür bereitgestellt. Für jeden neuen Platz, der in 2011 geschaffen wurde, gab es einmalig 1.500 € vom Land, in 2012 sind es nochmal 800 € oder für neue Plätze (Hessisches Sozialministerium).

Bis 2013 soll damit eine Versorgungsrate von 35 % erreicht werden.

U3 in Königstein

Demographie in Königstein

Nach dem letzten Haushaltsentwurf leben in Königstein ungefähr folgende Kinder:

0-3 Jahre: 476 Kinder
0-1 Jahre: 141 Kinder
1-2 Jahre: 169 Kinder
2-3 Jahre: 166 Kinder

Für diese Kinder gibt es derzeit 135 Betreuungsplätze, das sind ungefähr 28 % (Versorgungsrate, siehe oben). Benötigt werden jedoch insgesamt 167 Plätze.

Die demographische Entwicklung ist rückläufig, 2030 sollen es z.B. nur noch 430 sein, das sind 10 % weniger. Im Kreis und im Land sind die vorausgesagten Rückgänge höher, hier sollen es ca. 15 % weinger sein.

In Falkenstein gibt es 22 Betreuungsplätze, in Schneidhain 15 und der Rest ist in Königstein.

In Mammolshain gibt es keinen einzigen Platz!

Kinder(t)räume

Kinder(t)räume ist ein kleines Unternehmen aus Königstein, das in Königstein und Kelkheim Betreuungsplätze anbietet. Zur Zeit sind es 15 Plätze im Kindergarten Schneidhain und 12 Plätze in Kelkheim. Homepage der Kinder(t)räume.

Ein Betreuungsplatz kostet zwischen 450 und 820 € pro Monat, abhängig von Standort und Betreuungsdauer.

Zum Vergleich: Ein Platz im städtischen Kindergarten Königstein kostet ca. 300 €.

U3 in Schneidhain (in 2011 durchgefallen)

Kinder(t)räume will nun in Schneidhain auf dem Gelände des Rodelbergs ein neues Gebäude errichten, in dem 40 neue Betreuungsplätze entstehen sollen. Der Neubau auf dem Rodelberg wird in Erbbaurecht, mithin Eigentum von Kinder(t)räume, erfolgen. Das bedeutet, dass das Grundstück und alle darauf errichteten Immobilien nach 99 Jahren an die Stadt zurückfallen.

  • Das neue Gebäude würde 1,2 Mio. € kosten. Die Stadt könnte vom Land einen Zuschuß von ca. 595.000 € bekommen. Damit müßten 605.000 € finanziert werden.
  • Diese Summe würde per Ausfallbürgschaft von der Stadt übernommen.

monatliche Kosten:

  • 2.400,- € Erbpacht pro Jahr: 200 € pro Monat.
  • Zinsen und Tilgung der 605.000 € (1 % Tilgung, 2,7-3 % Zinsen eff.) betragen leicht aufgerundet ca. 2.000 € pro Monat.

geschätzter Umsatz:

  • Gesetzt den Fall, dass sämtliche Plätze belegt wären und die Betreuungslänge im mittleren Bereich liegt, dann wären für jeden Platz (30) laut Homepage der Kinder(t)räume ca. 640 € anzusetzen, also rund 19.200 €. Abzüglich der Kosten wie oben 2.200 € und geschätzter Nebenkosten von ca. 800 € verbleiben dann noch 16.200 €.
  • Drei Gruppen, á zwei Betreuer/Erzieher, das sind 6 Kräfte die jeweils ca. 2.700 € (Arbeitgeberkosten) kosten, also ein Gehalt von ca. 1300 € beziehen.

U3 in Schneidhain (in 2012 angenommen)

Nachdem in der Stadtverordnetenversammlung 2011 der oben skizzierte Plan der Verwaltung abgelehnt wurde und de rAuftrag erteilt wurde, den Bedarf nachzuweisen, wurde die Idee mit den Kinder(t)räumen in veränderter Form wieder präsentiert. Der wichtigste Unterschied zu vorher ist der, dass nun das Gebäude von der Stadt errichtet wird, also Eigentümer ist, und Kinder(t)räume sind Mieter. Der zweite Unterschied ist der, dass inzwischen die Förderung des Landes abgelaufen ist. Damit entfällt der Zuschuss in höhe von 595.000 €, das Ganze wird für die Stadt erheblich teurer.

Kritikpunkte

  1. Weitere Betreuungsplätze in Schneidhain und immer noch kein einziger in Mammolshain – warum? Gibt es in Mammolshain keine geeignete Fläche in Stadtbesitz?
  2. Prinzipiell ist gegen die Idee, weitere Betreuungsplätze auf dem Rodelberg zu schaffen, nichts einzuwenden. In der vorgestellten Lösung gibt die Stadt aber sämtliche Gewinne (und auch Verluste) aus der Hand. Warum schafft die Stadt dafür nicht eine weitere GmbH – wie bereits beim Kurbad z.B. geschehen, oder biem HdB? Gerne könnten hier die Eigentümer der Kinder(t)räume angestellt werden.
  3. Es ist sehr schade, dass der Zuschuss des Landes nun fehlt. Der Vorwurf verschiedener Parteien, dass die Ablehnung des ersten Plans duch ALK und SPD (in der Hauptsache) nun die Stadt mehr Geld kostet, trifft die Sache nur oberflächlich. Wäre der erste Plan angenommen worden und hätte Kinder(t)räume dann Pleite gemacht, was wäre aus dem Haus geworden? U3-Plätze futsch und Haus futsch... Wer wäre dann dort eingezogen? Aber abgesehen von Was-wäre-wenn-Spielchen erhebt sich hier die Frage, warum der erste Plan so spät kam. Die ersten Ideen dazu gab es mindestens schon in 2010, nach einer unbelegten Aussage sogar schon in 2009. Hätte man nicht getrödelt, oder viel einfacher, wäre letztles Jahr in den Ausschüssen gleich nachgefragt wurde, warum GENAU die Mehrheit dagegen ist, hätte m.A.n. die Vorlage auch noch zurückgezogen werden können und noch in 2011 überarbeitet und neu vorgelegt werden können. Alternativ hätte man auch eine "Blanko"-Vorlage ohne Festlegung auf dne Betreiber/Mieter einbringen können, eine weitere Ausarbeitung dazu hätte dann in 2012 erfolgen können.
  4. Und wieder die immer wiederkehrende Kritik: Den Stadtverordneten wird irgendeine Auswahl der Verwaltung vorgelegt zur Abstimmung. Es ist nie transparent, auf welcher Grundlage diese Auswahl getroffen wurde. Die Stadtverordnetenversammlung wird an der Leine geführt und (fast) jeder läßt sich das gefallen. Teilweise wird sinnvollen Anträgen der politischen Gegner nur aus parteipolitischen Taktikgründen nicht zugestimmt, die Verwaltung spielt die Parteien gezielt gegeneinander aus! Und wenn man dann nachfragt, warum, heißt es, lass Dich doch von den Lügen/Ausreden des poltiischen Gegners nicht einlullen – hier wird aus Hass/Abneigung/schlechten Gefühlen heraus die gute Idee des Gegners schlechtgeredet... Es ist einfach nur kurzsichtig und oberflächlich.

Meine Meinung.

  1. Alternative Anbieter von Betreuungsplätzen anschauen.
  2. Grundstücke in Mammolshain überprüfen. (Eventuell 20 Plätze dort und 20 in Schneidhain?)
  3. Stadteigene GmbH prüfen. Unter dem Strich ist das für die Stadt günstiger, da die Gewinnerzielungsabsicht des Unternehmers komplett entfällt. (Angenommen ein Platz muß – weil die Familie nicht gneügend Geld hat – bezuschusst werden. Dieses Geld landet direkt wieder bei der Stadt, ohne Umwege über den Unternehmer zu nehmen.)
  4. Falls stadteigene GmbH nicht geht, Alternative prüfen, z.B. kirchlicher Träger übernimmt oder Erweiterung/Filiale des stadteigenen Kindergartens.
  5. Falls es ein privater Betreiber nur sein kann, dann muss der Erbbauvertrag so gestaltet werden, dass dem Gebäude eine Nutzungsänderung untersagt ist und die Stadt ein Vorkaufsrecht hat, zu einem geringeren Wert als dem Marktwert (z.B. 80 %). Es sollte auch eine Stillegung des Betriebs untersagt werden (Ausnahme: die Kinder fehlen...)

Bei einer privaten Lösung ist davon auszugehen, dass sich nur wieder wohlverdienende Familien einen solchen Platz werden leisten können, dass also die sogenannten bildungsfernen Schichten, denen es auch besonders nutzen würde, nicht oder kaum zum Zuge kommen werden. Das ist einem Sozialwesen Stadt einfach nur unwürdig.

Nur in einer städtischen Einrichtung kann die soziale Staffelung der Betreuungsgebühren umgesetzt werden, OHNE, dass die Stadt mehr zahlen muß! In einer privaten Einrichtung kann zwar die Stadt den Bedürftigen einen Zuschuss zahlen, diesen aber nicht bei den Besserverdienenden wenigstens zum Teil wieder reinholen!

Im übrigen bin ich aber der Meinung, dass alle Betreuungsplätze kostenlos sein sollen. Cetero censeo...