Konrad-Adenauer-Anlage

Aktuell geistern ja verschiedene Ideen rund um die Konrad-Adenauer-Anlage durch die sozialen Medien. Es gibt nur relativ wenig belastbares Material, selbst di ein den Zeitungen abgedruckten Entwürfe wiesen gravierende Mängel auf, weswegen davon ausgegangen werden muss, dass die dargestellten Entwürfe nicht umsetzbar sind, demzufolge nur Diskussionsgrundlage sien müssen (wie auch angekündigt).

Interessant war auch, dass diese Informationsveranstaltung, die von der Stadt angekündigt wurde, wohl eine CDU-Veranstaltung war. Schade war der Zeitpunkt: Samstagvormittag, wo doch einige Menschen noch arbeiten müssen. Schade war und ist auch, dass die Diskussionsgrundlagen, Pläne, Entwürfe, etc., nicht im Internet abrufbar sind. Das hätte besser laufen können, das muss besser laufen.

Es wäre jetzt müßig, über die verschiedenen Vermutungen und Entwürfe zu debattieren, da ändert sich noch zuviel. Mein Ansatz ist ein anderer, ich frage mich, was ist eigentlich das Ziel? Was soll verbessert werden? Was muss verbessert werden? Und um welchen Bereich dreht es sich überhaupt?

Ortsbeschreibung

Konrad-Adenauer-Anlage, inklusive der Georg-Pingler-Straße, der Klosterstraße,  der Adelheidstraße und der Hauptstraße (im Uhrzeigersinn).

Bestandsaufnahme Parkplätze

Aktuell gibt es eine halbausgelastete Tiefgarage, zwei Stromparkplätze, zwei oder drei Behindertenparkplätze, Parkplätze für drei bis vier Taxen und etwa acht (!) Haltestellen für Busse.

Auf dem kleinen Parkplatz ist Platz für ca. 24-26 Fahrzeuge. Auf den großen Parkplatz passen etwa 40 PKW (inklusive Stromtankstellen und Behindertenparkplätze).

An der Adelheidstraße ist Platz für etwa 12 PKW.

An der Klosterstraße gibt es auf der innenliegenden Seite keine Stellplätze mehr, seitdem sie wieder gegenläufig befahrbar ist.

An der Georg-Pingler-Straße stehen etwa 12 Stellplätze zur Verfügung, an der Hauptstraße ist Platz für ca. 12-13 Stellplätze.

In der Tiefgarage stehen 200 Stellplätze zur Verfügung, von denen rund 100 regelmäßig leerstehen.

Summa summarum sind es also mindestens 300 Stellplätze, wovon aber nur rund 200 benötigt werden.

Bestandsaufnahme Wünsche der Gewerbetreibenden (INGE-Auftaktveranstaltung)

In der INGE-Auftaktveranstaltung wurden viele Wünsche artikulliert, die sich zusammengefasst auf folgende Punkte reduzieren lassen:

  • Parken: Parkleitsystem, vergünstigtes/kostenloses Parken, Wegweiser, besseres Parken in der Altstadt
  • ÖPNV: Busse stören. Haltestellen verlegen, Halten verkürzen.
  • Verkehr: Zuviel Verkehr, bessere Verkehrsführung inkl. Schildern. Aber auch Fußgängerzone vergrößern (Kirchstraße, Georg-Pingler-Straße).
  • Aufenthaltsqualität: Sauberkeit, Blumen, Toiletten, mehr Leben auf Kapuzinerplatz.

Daraus lässt sich bei oberflächlicher Lesart sehr schnell der Schluss ziehen: mehr Parkplätze, kein ÖPNV, bessere Verkehrsführung für die ganzen Autos, Toiletten, Sauberkeit und Blumen, mehr Fußgängerzone.

Fußgängerzone vs. Verkehr

Als die ersten Fußgängerzonen als Experimente gestartet wurden, schimpften praktisch ausnahmslos alle anliegenden Gewerbetreibenden, das ihr Umsatz zurückgehen würde, weil keiner mehr einkaufen käme. Die Käufer verlangten schließlich einen Parkplatz direkt vor der Ladentür.

Im Spezialfall Heidelberg kommt noch die Länge der Fußgängerzone dazu: rund 2 km! Trotzdem ist die Heidelberger Fußgängerzone nicht nur am Wochenende, auch unter der Woche immer ziemlich voll. An der Fußgängerzone gibt es ein Parkhaus, andere Parkhäuser sind relativ weit weg. Direkt am Eingang der Fußgängerzone, am Bismarkplatz, liegt dagegen das ÖPNV-Herz der Stadt: Busse, Straßenbahnen, OEG - alles hält hier.

An diesem Fall erkennt man mehrere Dinge:

  • Parkplätze sind untergeordneter Natur. Ein guter ÖPNV ist grundlegend. Der Individualverkehr kann gar nicht so viele Menschen befördern, wie zu einer Belebung mit vielen Menschen notwendig ist.
  • Große fußläufige Entfernungen spielen keine Rolle. Die Königsteiner Innenstadt ist wesentlich kleiner und übersichtlicher.
  • Die Attraktivität speist sich aus vielen kleinen Läden, Ketten sind abträglich. Cafés nützen, ebenso wie Parkbänke. Sauberkeit ist wichtig, muss aber nicht überbewertet werden.
  • Die Leute besuchen eine Fußgängerzone, weil sie bummeln möchten, Zeit haben und mehrere verschiedene Dinge einkaufen/erledigen wollen. Der Wocheneinkauf wird andernorts mit dem PKW erledigt, weil relativ große, schwere Mengen transportiert werden müssen.
  • Es war nachgerade idiotisch, den Rewe und den Aldi in die Königsteiner Stadtmitte, statt an den Kreisel zu legen, bzw. die Seniorenresidenz wäre in der Stadtmitte wesentlich besser untergebracht gewesen und hätte gleichzeitig auch für eine echte Belebung gesorgt.

Schlussfolgerungen für Königstein

Daraus ergibt sich als allererste Schlussfolgerung, dass mehr Menschen in die Königsteiner Innenstadt kommen müssen. Das bedeutet auch, dass die Aufenthaltsqualität verbessert werden muss, damit die Leute überhaupt kommen wollen.

Zweitens muss der ÖPNV verbessert werden, damit überhaupt viele Leute kommen können.

Drittens kann der Parkplatzbedarf wesentlich reduzierter in der Wichtigkeit betrachtet werden, denn wenn es weniger Parkplätze gibt, kommen die Leute von vornherein eher mit dem ÖPNV. Zehn zusätzliche Parkplätze bringen nicht im entferntesten soviel Umsatz, wie ein verbesserter ÖPNV. Sie bringen nur mehr Verkehr.

Viertens folgt, dass mehr Verkehr genau den Wünschen der Gewerbetreibenden, der Fußgänger (und auch der Anwohner) entgegen läuft - weniger Verkehr und eine Vergrößerung der Fußgängerzone wird gewünscht.

Fünftens folgt daraus auch eine Entschleunigung - eine Fußgängerzone und Bummeln bedeutet Zeit haben, genießen. Mal eben schnell dies und das erledigen, bedeutet Hektik und Stress. Menschen, die Zeit haben, kaufen mehr ein, als Menschen, die in Hektik von A nach B rennen - der Umsatz steigt.