Johanniswald – Debatte um den Durchfahrtsverkehr

Viele Leserbriefe standen zu dem Thema in der Zeitung. Hintergrund war, dass sich die Bewohner des Johanniswaldes über den zu hohen Druchgangsverkehr beschwerten.

Eine Verkehrszählung ergab, dass ca. 60 Autos pro Stunde durch den Johanniswald fahren, bzw. in diesen hinein- oder hinausfahren.

Wer hat ein Interesse daran, durch den Johanniswald zu fahren?

  • die Schneidhainer, zu denen übrigens auch die Bewohner des Johanniswalds zählen,
  • alle die, die nach Fischbach oder Ruppertshain, bzw. weitere Ortschaften dahinter, möchten und den Verkehr in Kelkheim scheuen.

Welche Schilder regeln die Durchfahrt?

Im Johanniswald stehen insgesamt DREI (!) Durchfahrt-verboten-Schilder:

  • an der Einfahrt in den Johanniswald von der Altenhainer Straße aus,
  • an der Abzweigung des Drosselwegs vom Kuckucksweg,
  • nach der Abzweigung des Fasanenwegs.

Außerdem ist ab dem Falkenweg bergauf die Durchfahrt verboten, da der Drosselweg bis zum Falkenweg Einbahnstraße ist. De facto ist also das Durchfahren des Johanniswald bergauf von ganz unten komplett unmöglich und bergab nur für Anlieger erlaubt. Und zwar für die Anlieger, die nach der Abzweigung Fasanenweg wohnen. Anwohner von ganz oben, aus dem Kuckucksweg z.B., DÜRFEN nicht durchfahren.

Nach der StVO besagen die Schilder folgendes:

StVO § 41 Vorschriftzeichen

(1) Jeder Verkehrsteilnehmer hat die durch Vorschriftzeichen nach Anlage 2 angeordneten Ge- oder Verbote zu befolgen.
(2) Vorschriftzeichen stehen vorbehaltlich des Satzes 2 dort, wo oder von wo an die Anordnung zu befolgen ist.

StVO Anlage 2, Abschnitt 6 Verkehrsverbote

Zeichen 250 (rundes weißes Schild mit rotem Rand): Verbot für Fahrzeuge aller Art

Erläuterung:

1. Das Zeichen gilt nicht für Handfahrzeuge, abweichend von § 28 Abs. 2 auch nicht für Führer von Pferden sowie Treiber und Führer von Vieh.
2. Krafträder und Fahrräder dürfen geschoben werden.

Katalog der Zusatzzeichen

Zeichen 1020-30 (rechteckiges weißes Schild mit schwarzem Rand, Text: "Anlieger frei")

Was ein Anlieger ist, darüber schweigt sich die StVO und auch der Katalog aus. In der Wikipedia steht:

(Berechtigter) Anlieger ist, wer ein an der Straße anliegendes Grundstück bewohnt oder zu einer Erledigung aufsuchen muss. Der Begriff hat nichts mit einem „Anliegen“ zu tun, sondern stammt aus der Ortsbezeichnung. Das Zusatzzeichen „Anwohner frei“ steht rechtlich dem „Anlieger frei“ gleich.[1]

Üblicherweise wird der Begriff bei für Durchgangsverkehr gesperrten Straßen gebraucht, die nur von eben jenen Anliegern befahren werden dürfen (z. B. Zeichen 250 mit Zusatzzeichen 1020–1030 Anlieger frei).

Wer darf dann eigentlich durch den Johanniswald fahren?

Wenn man also die Schilder nach StVo richtig interpretiert, ergibt sich natürlich folgendes daraus: Die Schneidhainer dürfen nicht durchfahren, auch nicht alle MTKler, außer sie möchten zu einem Anwohner, dann dürfen sie genau bis dorthin fahren.

Das bedeutet aber auch, dass viele Anwohner im Johanniswald selbst nicht bis unten durchfahren dürfen!!!

Möchte also z.B. ein Anwohner aus dem Fasanenweg nach Schneidhain, so darf er nicht weiter bergab fahren, sondern muss bergauf wieder aus dem Johanniswald herausfahren und dann über die Kurmainzer Straße wenden, um nach Schneidhain zu kommen. Genau das gleiche gilt für alle anderen Anwohner im Johanniswald auch, die oberhalb des Fasanenwegs wohnen!!!

Fazit

Das Ansinnen der Johanniswälder, die Durchfahrt zu begrenzen, steht auf tönernen Füßen. Denn die meisten Autos, die im Johanniswald zum nicht unerheblichen Teil dann auch verbotswidrig fahren, sind die Anwohner selbst.

Wenn man dann noch berücksichtigt, dass eine Schrankenlösung per se schon ungeheurlich ist (Ghetto?!) wäre sie außerdem auch unsozial den Nachbarn in der Kurmainzer Straße gegenüber. Denn diese müssten dann am meisten darunter leiden! (Läßt hier St. Florian grüßen?) Selbst die "näheren" Nachbarn, die Schneidhainer, die zwar auch nicht fahren dürfen, sich aber ebensowenig dran halten wie die Johanniswälder, müssten unter diesem unsozialen Verhalten leiden.

Umgekehrt erwarte ich aber auch, dass Schneidhainer – wenn sie schon durchfahren müssen – so doch wenigstens durch Benimm glänzen, in dem sie z.B. schön langsam fahren (übrigens eines der Hauptargumente der Johanniswälder gegen den Durchfahrtsverkehr – die hohe Geschwindigkeit). Und außerdem: Ab und an kann man auch mal die vorgeschriebene Route über die Kurmainzer Straße fahren – die zwei Minuten haben wir doch, oder?

Prinzipiell ist es natürlich so, dass all diese Falschfahrer belangt werden können. Aber: Man kann sich auch überlegen, weshalb die Schilder so aufgestellt wurden, und warum gerade diese Schilder. Andere Schilder mit ähnlicher Wirkung gibt es nicht, und somit ist dies die einzige Möglichkeit der Stadt, den Durchfahrtsverkehr zu begrenzen. Hier rächen sich die Fehler aus der Vergangenheit, als versäumt wurde, entsprechende Infrastrukturen zu planen (Straßenbreiten, zusätzliche Hauptstraßen, zusätzliche Zu- bzw. Abfahrten zu Wohngebieten, etc.).

Und ich bin wieder bei meinem Credo: Verhalte Dich wahrhaft sozial, dann lebt es sich ruhiger. Wer nur auf sein eigenes vermeintliches Recht pocht, ist egoistisch und unsozial und schadet damit letztendlich sich selbst und der Allgemeinheit.

Apropos Durchfahren des Johanniswalds durch die Schneidhainer: Wenn die B455 in Schneidhain für den überörtlichen Durchgangsverkehr gesperrt ist, aber die Schneidhainer selbst in allen Richtungen aus dem Ort und in den Ort heraus- bzw. herein können, dann gilt das Umfahrungsgebot eigentlich auch für die Johanniswälder. Auch diese müssten dann, sofern sie unten aus dem Johanniswald heraus fahren, zum Kreisel fahren und der Umleitungsstrecke folgen. Aber ich erwarte das nicht von den Johanniwäldern, denn sie gehören ja zu Schneidhain.