Unsere Königsteiner Burg.

Erhitzte Gemüter hat uns dieses Thema beschert. Und ich vermute, dass es auch mit fehlender Information zu tun hat. Hier die wichtigsten Informationen, die beiden – den Naturschützern und den Denkmalschützern – helfen.

Efeu

"Wenn ich den Efeu loswerden will, dann schneide ich ihn unten durch und oben vertrocknet er."

Das stimmt – bei Bäumen! Aber an Mauern nicht. Denn der Efeu hat Haftwurzeln, die auf dem Stein kleben. Diese kann er aber zu normalen Wurzeln umwandeln, die nach Wasser suchen. Auf Bäumen funktioniert das nicht, Rinde ist elastisch und "selbstheilend", da stirbt der Efeu ab. Aber auf Mauern funktioniert das hervorragend, er krabbelt in die Ritzen und macht dann damit das Mauerwerk kaputt. (Siehe Gehölze weiter unten, denn er zählt zu den Gehölzen.)

Wenn man ihn aber normal wachsen läßt, schützt er sogar das Mauerwerk, weil er es trocken hält und Temperaturschwankungen etwas abmildert. Denn Feuchtigkeit und rasche Temperaturwechsel machen dem Mauerwerk sehr zu schaffen und zerstören es letztlich schneller.

Und für den Naturschutz ist so ein Efeu wichtig: Er bietet Lebensräume für viele verschiedene Arten von Vögeln und Insekten.

Gräser in Spalten und Ritzen

Gräser in Spalten und Ritzen schaden dem Mauerwerk nicht. Im Gegenteil: Sie ziehen die Feuchtigkeit aus den Ritzen und schützen das Mauerwerk dadurch.

Spalten und Ritzen schaden dem Mauerwerk auch nicht, nur dann, wenn Feuchtigkeit eindringen kann. Hier helfen die Gräser.

Und dem Naturschutz helfen die Spalten und Ritzen auch: Je nach Größe und Ort siedeln sich hier seltene Spinnen oder andere Insekten an oder nächtigen Feldermäuse. Wie in der Burg im hellen Bogen und in anderen Gewölben, wo sie lebendig eingemauert – "verputzt" – wurden. Denn bei Störung verstecken sie sich nur noch tiefer, sie fliegen nicht weg. Denn das geht ja auch nicht, sie sind zu Fuß relativ unbeholfen und würden damit grad in die "Arme" des Jägers (nur ein solcher würde stören) krabbeln, ohne Gegenwehr.

Spalten und Ritzen muss man nicht unbedingt verputzen, das hängt von der Art des Risses ab, wie das Wasser stehen bleiben kann, ob Bewuchs da ist, usw.

Gehölze

Gehölze haben einen riesigen Unterschied zu den Gräsern: Ihr Dickenwachstum. Sie werden, je älter sie werden, immer dicker. Und die Wurzeln auch. Und durch dieses Dickenwachstum sprengen sie die Mauern auseinander. Für die Mauer ist es sehr wichtig, dass Gehölze, die IN der Mauer wurzeln, entfernt werden.

Gehölze können aber nur dort ordentlich wachsen, wo sie auch den richtigen Boden finden. In einer Mauer ist das nicht der Fall, hier bleiben sie recht klein und mickrig. Diese Gehölze stellen, wenn man sie entfernt, keinen großen Schaden für die Natur da.

Aber auch hier gilt, dass man sie richtig entfernen muss. Wer hat schon mal was von einem Erholungsschnitt gehört? Das betroffene Gehölz wird, soweit es den Schnitt verträgt, zurückgeschnitten, radikal oder "auf den Stock gesetzt". Viele Bäume gehen dabei ab einer bestimmten Größe ein. Kleine und junge Bäume dagegen vertragen das auf den Stock setzen sehr gut. Die schlagen einfach neu aus. Dazu brauchen sie wieder mehr Wasser, mehr Nährstoffe. Was machen die Wurzeln also? Die wachsen explosionsartig, um das Gehölz mit den Nährstoffen zu versorgen. Ein Radikal- oder Rückschnitt von Bäumen, die in der Mauer wurzeln, empfiehlt sich daher auf keinen Fall!

Wenn man also Gehölze entfernen will, MUSS man das immer zu zweit tun: Einer operiert die Wurzeln aus der Mauer, einer repaiert das Loch und stabilisiert die Mauer wieder.

Gehölze AUF Mauern jedoch, mit einer entsprechend dicken Erdbodenunterlage, nützen einer Mauer enorm. Denn sie entziehen dem Boden mehrere Kubikmeter Wasser im Jahr. Die ansosnten im Mauerwerk verbleiben würden und dieses verrotten lassen oder bei Frost sogar sprengen.

So leid es mir tut, aber das Entfernen von größeren Gehölzen aus Mauern (größer als 20, 30 cm!!!) ist nichts für freiwillige Ehrenamtler. Das schadet der Mauer langfristig mehr, als es nutzt. Und das Zurück-Schneiden verbietet sich aus oben genannten Gründen von selbst.

Grüner Denkmalschutz

Vielerorts in Deutschland und auch in benachbarten Ländern wird bereits seit Jahren erfolgreich grüner Denkmalschutz genutzt. dieser Denkmalschutz nutzt die Kraft der Natur zum Erhalt der Denkmale. Das nützt übrigens so ganz nebenbei auch dem Naturschutz und der Biodiversität. Am Beispiel unserer Burg zähle ich mal ein paar Dinge auf, die nützen können:

– Bäume auf der Burg entziehen dem Boden (bei ensprechend dicker Erdbodenauflage) sehr viel Wasser und würden darunter liegende Keller trocken(er) halten.

– Durch den Schatten und die klimatisch ausgleichende Wirkung vermindern sie starke Temperatuschwankungen (+/- 5° C sind möglich!).

– Efeu an Mauern schützt wie eine lebende Haut das Mauerwerk vor Schlagregen, hoher Luftfeuchtigkeit und mildert Temperaturschwnakungen ab.

– Efeu entzieht dem Boden (idealerweise wächst es am Fuß einer Mauer, aber oben auf einer dicken Erdauflage geht es auch) ebenfalls sehr viel Wasser und hält damit auch den Mauerfuß trocken(er).

– Gräser und Stauden entziehen dem Mauerwerk ebenfalls punktuell das Wasser.

– Moose und Flechten schützen ebenfalls das Mauerwerk. Im übrigen ist das Entfernen derselben für das Mauerwerk viel schädlicher (geht teilweise nur mit Sandstrahlen), als wenn man sie einfach belässt.

Was wünsche ich mir für die Burg?

Also, ich spiele einmal Wunschkonzert:

– Ich hätte gerne einen oder zwei Burgwächter, die nichts anderes tun, als das ganze Jahr die ganze Burg abgehen, die Mauern pflegen, Fluggehölze entfernen udn die Mauern ausbessern. Genauso, wie es der Dombaumeister in Köln mit seiner Mannschaft seit Baubeginn tut. Ist er am einen Ende fertig, fängt er am anderen Ende wieder an.

– Die Kapelle (von der Festwiese aus der Raum mit dem großen Kreuz an der Wand) mit einer Stahl- und Glaskonstruktion überdachen bzw. einhausen. Eine Treppe neu errichten (ähnlich der Eppsteiner Burg). Das würde den vorhandenen Hypokausten-ähnlichen Boden (ja, er konnte beheizt werden!!!) schützen. Man könnte dann in diesem Raum Ehen schließen, Trauungen durchführen, Familienfeste feiern etc. Wäre das nicht was? Ach unter darunter liegende Keller wäre auch trockener...

– Ähnlich der Kapelle alle anderen Räume, die durch teilweise erhaltene Außenwände noch erkennbar sind, ebenfalls überdachen, z.B. die Küche. Diese bräuchte allerdings noch Glasfüllungen in den Fenstern gegen Schlagregen. Diese bitte rahmenlos, wir wollen ja keine Fenster einbauen, sondern nur Schlagregen abhalten. Ein etwas weiter überstehendes Glasdach würde es auch tun.

– Alle anderen Außenbereiche ohne "Dach" müssten auf die Dicke der Erdbodenauflage der darunter liegenden Keller/Gewölbe hin überprüft werden. Dann sollte man sich überlegen, wo ein gezieltes Anpflanzen von einzelnen Bäumen oder Sträuchern dem Wasserhaushalt bzw. der Trockenheit der Gewölbe nützen würde.

Nun noch ein Wort an die Verfechter einer freigestellten Burg, wie sie einige noch aus ihrer Kindheit kennen mögen.

Nur weil man sich mit einer gewissen Wehmut an die Vergangenheit erinnert, bedeutet das nicht, dass das, mit dem man aufgewachsen ist, auch wirklich "schön" oder "gut" war. Das sollte jedem klar sein, dass das nur "vertraut" ist. Früher war eben nicht alles besser. Früher war das meiste sogar schlechter, nur daran erinnern wir uns nicht (mehr). Man denke z.B. nur mal an die Zentralheizungen, einige kennen noch die Ölöfen – waren die etwa besser? Oder die Telefonie. früher war das Credo: "Fasse Dich kurz!" Wer genießt es nicht, das stundenlange Telefonieren-Können mit der Familie und Freunden? Oder die Autos? Wer wäre bereit eines odere mehrere seiner Autos oder gar alle abzugeben, nur weil früher weniger Autos unterwegs waren? Wer läuft heute noch aus den Ortsteilen regelmäßig für Einkäufe oder Facharztbesuche (!!!) in die Stadt?

Ein komplett abgeholzter Burgberg entspricht zwar einem Bild aus der Burgenzeit, als mit Holz geheizt wurde und freie Sicht auf Feinde lebensnotwendig war. Aber die damaligen Bewohner konnten sich das auch leisten, auf die Natur zu verzichten, denn es gab wesentlich weniger Menschen und keine moderne Technik. Heute ist das anders. Wir benötigen die Natur dringend als Kompensation z.B. jedes einzelnen gefahrenen Kilometers mit dem Auto. Ein Freistellen der Burg sieht unter diesem Gesichtspunkt nahezu vermessen aus. Aber ich kann das verstehen, man möchte sie schließlich sehen können. Warum nicht also langfristig planen und denken? Langfristig in einem entprechenden Streifen an strategisch wichtigen Stellen (Sichtachsen) um die Burg aufwachsende Bäume regelmäßig entfernen und gefällte oder umgestürzte Bäume nicht mehr ersetzen bzw. durch im Verhältnis niedrigere Sträucher ersetzen. Wie war das mit Reizwäsche? Nicht gleich alles zu zeigen ist "reizend", machen wir doch den Bürger neugierig auf das, was eben nicht sichtbar ist!