Homöopathie und Wilderei

Was hat nun das eine mit dem anderen zu tun? Es ist eigentlich ganz simpel. am 12.08.2017 war ich auf einem Vortrag von Craig Spencer. Craig ist, wenn ich es richtig verstanden habe, der Leiter und/oder der Initiator der Black Mambas, www.blackmambas.org.

Black Mambas

Die Black Mambas sind eine Gruppe junger Frauen, die im Auftrag der Regierung die Grenzen eines Teils des Krüger Nationalparks in Südafrika, Balule, zu Fuß abgehen, um Wilderer aufzuspüren und zu fangen.

Bislang wurden Wilderer von Männern verfolgt und nicht selten auch erschossen. Dabei war oft kein Ranger länger als sechs oder acht Monate im Einsatz, bevor er korrupt wurde. Wilderei bringt eben mehr Geld als ein schlecht bezahlter Ranger-Job.

Um der Wilderei einen neuen, besseren Riegel vorzuschieben, verfiel man auf die Idee mit den jungen Frauen. Dies hat mehrere Gründe und zeigte viele positive Folgen:
  • Die jungen Frauen sind nicht korrumpierbar, da sie als junge Mütter eher ein Gefühl für den Wert der Natur haben, als junge Männer, denen Statussymbole bzw. Geld wichtiger sind.
  • Durch die hohe Fußstreifendichte haben sie, die Black Mambas, ein Ohr und ein Auge für die Umgebung. Änderungen, neue Personen, Reifenspuren etc. fallen ihnen sehr schnell auf. Wilderer haben es dadurch sehr viel schwerer, nicht entdeckt zu werden.
  • Sie sind eng in der Community verwurzelt und bekommen von dieser auch Rückmeldungen und Informationen.
  • Die Black Mambas haben ein großes Gefühl der Stärke, der Frauenpower entwickelt. Für sie ist es etwas Besonderes, einen Beruf zu haben, der wichtig ist. Sie sind nicht nur soundsoviel Stück Vieh wert, um verheiratet zu werden. Sie haben einen eigenen Wert, der sich aus ihrer Tätigkeit ergibt und nicht aus ihrem Geschlecht. Das ist sehr wichtiger Feminismus, bzw.Emanzipation nach ihren eigenen Regeln in einem extrem patriarchalen Land.
  • Inzwischen sind die Black Mambas Vorbilder für viele Kinder geworden. Sie haben selbstständig angefangen, z.B. in Schulen zu sprechen, Schulen zu renovieren usw. Das setzt ein neues Bild von der Natur, ein neues Zusammenleben mit der Natur in Gang. Denn bislang waren z.B. Elefanten gefährlich, weil sie Menschen töten wollen, ein Wilderer ist nur schneller, also ist Wilderei moralisch richtig. Das wird nun aufgebrochen und geändert.
  • Da die Black Mambas aber nicht ihre Brüder, Väter, Onkel als Wilderer erschießen wollen (wie es bislang sozusagen üblich war), werden die Wilderer nun von einer separaten Gruppe gefangen genommen. Dies verhindert Witwen und Waisen, was bislang wohl häufig das Ergebnis war.
  • Die Black Mambas informieren also die Eingreiftruppe, die die Wilderer dingfest macht. Das erhöht die Zahl der gefassten Wilderer enorm und verhindert viel mehr getötete Tiere als üblicherweise.
  • Durch diese stärkere Aufteilung der Tätigkeiten in Beobachten und Fangen hat sich auch eine Koordinierungsstelle herausgebildet, die dadurch sehr viel mehr wissenschafltiche Grundlagen sammeln konnte, wie Wilderei funktioniert und wie man sie besser verhindern kann usw.

Craig hat das wunderbar witzig und motivierend erzählt. Es ging mir das Herz auf. Wenn mir Hitze nicht so zusetzen würde, täte mir ein Besuch oder ein ehrenamtliches Mitarbeiten richtig Spaß machen. Wer also z.B. gerade seine Schule hinter sich hat, kann sich dort auf ein Volontariat bewerben.

Craig hat aber auch über die Gründe der Wilderei referiert.

Traditionelle chinesische Medizin

TCM ist einer der Hauptgründe für Wilderei, denn z.B. Tigerknochen werden starke medizinische Effekte zugeschrieben. Da aber asiatische Tiger langsam aussterben, nimmt man afrikanische Tiger. Und wenn die nicht mehr reichen, eben Löwen. Ach ja, auch ein Nashorn hat z.B. eine aphrodisische Wirkung und in Zeiten von Viagra weiß man, wie wichtig das vielen Leuten ist...

Nun hat der oberste Rat für TCM (ich weiß nicht, ob der Begriff stimmt) beschlossen, dass man statt eines Nashorns auch die Hörner der Saiga-Antilope nehmen könne. Von dieser gab es zu dem Zeitpunkt noch etwa 2,5 Mio. Stück. Nach einem Jahr war sie fast komplett ausgerottet!

Und da dachte ich mir, warum nehmen die nicht Kuhhörner?

Die Antwort ist simpel: Weil die gewöhnlich sind. Man glaubt nicht, dass das genauso hilft. Und das ist ein ganz, ganz wichtiger Punkt: Die Menschen wollen an etwas glauben, am besten an etwas Magisches, eine magische Wirkung.

Dann glaubt man auch, dass zerstoßene Schaben helfen. Oder Hundekot. Oder tote Bienen. Oder, oder, oder...

Dann glaubt man auch, dass das Verschütteln dieser Substanzen mit gewöhnlichem Leitungswasser auf eine ganz bestimmte Weise man muss mit ihnen in einem Glas genau 100x auf ein lederüberzogenenes Exemplar von Hahnemanns Buch stoßen die Wirkkraft dieser Substanzen auf das Wasser überträgt. Und dass sich diese Wirkung noch erhöht, wenn man diese Tinktur nochmal um das zehnfache verdünnt. Also das Gegenteil von "Viel hilft viel".

In der Anwendung aber huldigt man wieder dem Grundsatz "Viel hilft viel" und nimmt nicht nur ein Globuli, sondern zwei oder drei, nicht nur fünf Tropfen, sondern zehn oder 15 Tropfen, wenn die Symptome schlimmer sind. Das ist ziemlich inkonsequent und unlogisch.

Das ist aber völlig normal bei der Homöopathie (ja, auch die Schaben, der Hundekot, die Bienen...), denn sie hilft ja schließlich. Es ist nur unserem Kulturkreis zu verdanken, dass wir nicht an die aphrodisische Wirkung von Nashörnern glauben. Früher war es der Schamane, dann die Ablassbriefe und die Amulette, dann der Priester, nun die TCM oder eben die Homöopathie. Alles befriedigt den inneren Wunsch nach einer magischen Hilfe, nach einem Zauber von irgendwoher.

Homöopathie

Mit dem Glauben an die Homöopathie habe ich kein Problem. Warum auch. Ich habe ja auch kein Probelm damit, wenn mein Nachbar an heilige Menschen glaubt (wie Katholiken) oder an heilige Menschen, heilige Kühe und den heiligen Indus (wie manche Inder). Ich habe auch kein Problem, wenn mein Nachbar an Feen und Kobolde glaubt (wie z.B. Iren), oder an Spuk, oder an Geister, den Teufel (Besessenheit) oder an den heiligen Geist (wie Protestanten und Katholiken). Ich habe auch kein Problem damit, wenn manche glauben, dass man beim Beten bestimmte Handlungen in einer bestimmten Reihenfolge ausführen muss, weil das Gebet sonst nicht so gut hilft. Wie z.B. Hinknien und Weihrauschschwenken bei den Katholiken. Waschen, hinknien und verbeugen bei den Moslems, das Wippen bei den Juden. Das ist mir alles egal, das muss jeder so machen, wie er glaubt, dass es ihm hilft.

Wer aber den Glauben in manchen Dingen, vor allem wenn es um Leben und Tod geht oder gegen die Staatsräson, über allgemeingültige Grundlagen stellt, wie z.B. die Menschenrechte oder wissenschaftliche Erkenntnisse, der handelt nicht nur dumm, sondern im schlimmsten Fall auch verantwortungslos. Das nennt man dann zum Beispiel Gottesstaat oder Fanatismus, das ist auch die Grundlage von Sekten. (Und deswegen ist mir auch die Säkularisation so wichtig. Deutschland ist im Gegensatz zu Frankreich kein säkularer Staat.)

Wer also Homöopathie z.B. bei einer Mittelohrentzündung anwendet, misshandelt Schutzbefohlene. Wer schon mal die Schmerzen einer Mittelohrentzündung als Erwachsener erlebt hat, weiß was ich meine. Außerdem riskiert er im schlimmsten Fall Taubheit und Tod des Kindes. (Ablehnung des Impfens geht in die gleiche Richtung, wenn z.B. anthroposophische Gründe angeführt werden, die ebenfalls einer wissenschaftlichen Grundlage entbehren.)

Deshalb ist es meiner Meinung nach ein absolutes Unding, dass die Krankenkassen diesen Hokuspokus namens Homöopathie auch noch bezahlen. Besser wäre es, wenn die Krankenkassen den Ärzten mehr Zeit zum Zuhören bezahlen würden welches das eigentliche Geheimnis der Homöopahtie ist. Das wäre insgesamt viel, viel billiger und würde viel mehr Menschen helfen. Und es würde diese Mondpreise für gepanschtes Wasser oder gepanschten Zucker (da profitieren nur die Pharmaunternehmen von) verhindern.