Denkanstöße.

Toleranz

Denzel Washington sagte im Interview mit der Frankfurter Rundschau, 27.02.2012, Seite 14 und 15:

"Meine Kinder sind in einer Welt aufgewachsen, in der Schwarz und Weiß zusammenleben. Sie haben weiße Freunde, braune Freunde, gelbe Freunde – für sie ist das selbstverständlicher, als es das für mich in meiner Kindheit war."

Was für Freunde hat meine Tochter? Nur weiße. Warum? In ihrem Umfeld gibt es praktisch keine anderen. Finde ich das gut? Nein, ich wünschte, meine Tochter hätte mehr Kontakt zu anderen Hautfarben und Ethnien, damit sie früh Toleranz lernt, erlebt und lebt.

Woran könnte das liegen? Hier in Königstein, Kronberg und Kelkheim, gibt es im Verhältnis wesentlich mehr wohlhabende Menschen als anderswo. Außerdem sind hier in Deutschland farbige Menschen im Verhältnis seltener unter diesen zu finden.

Wie könnte man das ändern? Die Integration verbessern. Und: den Anteil der nicht so wohlhabenderen Bevölkerung in unserem Umfeld erhöhen, indem z.B. günstiger Wohnraum geschaffen wird.

Fazit: Wünsche ich mir mehr Toleranz, muss ich die Bedingungen für mehr Toleranz schaffen. Ich muß es also "ertragen", vielmehr sogar begrüßen, wenn nebenan Menschen wohnen, die sich keinen Neuwagen leisten können und mit vier Kindern in einer Drei-Zimmer-Wohnung leben müssen. Oder: deren Kinder "nur" die Hauptschule besuchen – und das unabhängig von der Hautfarbe!

Die Würde des Ehrenamtes

Reinhard Lippelt aus Bremen schreibt in seinem Leserbrief in der Frankfurter Rundschau, 27.02.2012, auf Seite 13:

"Da arbeiten Millionen von Menschen ehrenamtlich und halten gesellschaftlich notwendige Aufgaben am Leben, da werden Mütter, die ihre Kinder 'ehrenamtlich' großziehen, als nicht berufstätig bezeichnet, und gleichzeitig soll ein ohnehin hochbezahlter zurückgetretener Ex-Bundespräsident für seine 597 Amtstage 18.000 € im Monat beziehen, [...] weil sonst die Würde des Amtes ernsthaft verletzt würde. Ehre wem Ehre gebührt, oder?"

Ob und wieso Herr Wulff den Ehrensold bekommen soll, oder nicht, ist hier nicht der Punkt. Es steht auch die Höhe des Ehrensolds für das wichtigste Amt in der Bundesrepublik nicht zur Debatte.

Aber: wie steht es um die Würde der ehrenamtlichen tätigen Menschen und der Mütter bzw. Väter? In welcher Form werden die Leistungen dieser Menschen überhaupt anerkannt?

Müßten wir diese Leistungen alle kaufen, dann wäre ein "einfacher" Gerätturnunterricht oder Fußballunterricht nicht mehr für 100 € im Jahr zu haben. Es jammert keiner, dass eine 10er-Karte für den Reitunterricht 130 € kostet, auch Golf darf teuer sein. Golf und Reiten sind immer noch Sportarten für die Besserverdienenden und nicht wirklich Breitensport.

Werden wir (der Staat, resp. das Finanzamt) damit der Würde der Menschen gerecht, die in der Woche acht Stunden und mehr in der Turnhalle oder auf dem Platz stehen? Oder die der Eltern mit durchwachten Nächten? Oder derjenigen, die sich um kranke oder alte Anverwandte 24 h am Tag kümmern? Immerhin ist es ein erster Schritt, dass es Elterngeld gibt. Aber reicht das aus?

Wird die Arbeitsverdichtung, wie in den letzten 10-15 Jahren geschehen, weiter gehen, so werden viele Menschen in Zukunft schlicht keine Zeit mehr für diese Ehrenämter haben. Viele Vereine haben auch heute schon Nachwuchssorgen und damit ist in vielen Fällen nicht die Jugend gemeint, sondern die erwachsenen Nachfolger für z.B. Vorstände, Übungsleiter usw., also die 30- bis 50-Jährigen.

Es wird vielleicht zu einem Vereinssterben kommen. Immer mehr Menschen werden mit einfachsten Pflegehilfen oder -heimen auskommen müssen. Viele werden vielleicht nicht mehr immer würdevoll leben und sterben können.

Kinder profitieren vom Umgang mit der "vorletzten" Generation, sie sind bei Schulantritt meist ein halbes Jahr weiter, vor allem im sozialen Bereich, als ihre Altersgenossen. Die Freizeitaktivitäten der Kinder werden verarmen. Auch hier werden wieder diejenigen Kinder in erster Linie die Verlierer sein, deren Eltern sich die dann teurer werden müssenden Freizeitaktivitäten nicht mehr leisten können. Dann wird Turnen und Fußball vielleicht irgendwann kein Breitensport mehr sein.

Die gesellschaftliche Verarmung, die dann die Folge sein dürfte, möchte ich mir nicht ausmalen.

Wie könnte man das verhindern? Ich wünsche mir eine Anerkennung der ehrenamtlich geleisteten Tätigkeiten (Vereine, Kindererziehung von Mutter und Vater, familiäre Pflege etc.), z.B. über Reduzierungen/Umverteilungen bei der Lohnsteuer, oder anderes. Dadurch würden die mehr belastet, die nicht ehrenamtlich tätig sein wollen oder können, und das käme langfristig unserer Gesellschaft und besonders unseren Kindern, unserer Zukunft, zugute. Beispiel: pro Kind x % und pro ehrenamtlich geleisteter Stunde x € (mit Nachweis vom Verein) weniger Lohnsteuer/Gewerbesteuer/Einkommensteuer zu zahlen. Es müssten allerdings die besonders berücksichtigt werden, die auf Grund zu geringen Einkommens keine Steuern zahlen und nicht die, die wegen zu hoher Absetzungen keine Steuer mehr zahlen.