Umweltschutz ist wichtig.

Der Bauträger bzw. die Stadt muß bei einem solchen Projekt die Träger öffentlicher Interessen dazu anschreiben und um Stellungnahmen bitten. Dazu gehören z.B. die Müllabfuhr und die Feuerwehr. Deren Antworten zum neuen Wohngebiet kenne ich nicht. Ich kenne aber die Anwort vom BUND.

Darunter finden Sie einen Absatz zur EU-Wasserrahmenrichtlinie (WRRL).

Stellungnahme des BUND

Stellungnahme zu B-Plan S12 „B455 – Wiesbadener Straße“ Königstein im Taunus

  1. Grundsätzlich ist es zu begrüßen, dass neue Siedlungsgebiete ausschließlich in bereits versiegelten städtischen Innenbereichen entwickelt werden sollen. Allerdings ist hier dringend auf die neuesten Daten zur demographischen Entwicklung hinzuweisen, die einen Rückgang der Bevölkerung auch für beliebte Hochtaunuskommunen vorhersagen. Zwar werden aufgrund der Verlärmung des Nahbereichs des Frankfurter Flughafens mehr „Lärmflüchtlinge“ ruhigere Wohnlagen suchen, dennoch werden die geplanten Wohnungen für die meisten dieser Familien unerschwinglich bleiben.
  2. Der B-Plan sieht eine extrem verdichtete Bebauung vor. Die Zufahrtsstraßen zu den Häuserzeilen sind sehr eng bemessen. Eine Abklärung der Feuerwehr-Auflagen müsste erfolgen.
  3. Die Ballung von Einkaufsmarkt und zusätzlichen Wohnhäusern in der Nähe von Grundschule und Kindergarten wird die umliegenden Straßen in Bezug auf das Verkehrsaufkommen, den Schall- und sonstigen Immissionen an den Rand der Belastbarkeit führen. Hier sollte mittels Flüsterasphalt, Schrittgeschwindigkeit in den Straßen Rossertstraße, Am Erdbeerstein und An der Braubach die Attraktivität des Befahrens gesenkt werden. Ein Fußgängerzonen ähnlicher begrünter Übergang zwischen neuer Bebauung und der Grundschule wird dringend empfohlen, auch um die Gefährdung der Grundschul- und Kindergartenkinder trotz erhöhtem Verkehrsaufkommens auf ein Minimum zu reduzieren!
    Auch auf der B455 sind Geschwindigkeitsbeschränkungen von 30 km/h gegenüber dem Land Hessen durchzusetzen.
  4. Nördlich des B-Plan-Geltungsbereiches am nördlichen Rand des Kindergartens Purzelbaum („Am Hohlberg“, Schneidhain-Waldrand) hat der BUND in den vergangenen Jahren stets und zuverlässig Feuersalamander aufgefunden. Diese scheinen streng an den Braubach und seine Ränder gebunden zu sein, der am Siedlungsrand vom Wald kommend in Rohre geleitet wird. Es ist dringend abzuklären, ob die Feuersalamander (nach BArtschV bes. gesch. Art) das Rohr unter dem Sportplatz als Wandergebiet nutzen, um südlich des geplanten Sportgeländes in die südlichen Biotope zu gelangen. Da Feuersalamander vorwiegend nachtaktiv sind, scheuen sie verrohrte Bäche möglicherweise nicht. Vor der Verlegung des Braubaches unter der Großbaustelle muss sicher gestellt werden, dass die Population nicht durch die Baumaßnahme erheblich dezimiert oder gar ausgerottet wird. Hier ist dringend ein Gutachten zu erstellen!

    Feuersalamander_web.jpg
    Bild aufgenommen am 09.12.2011
  5. Es ist zu prüfen, ob die Entrohrung der Braubach und die oberirdische Führung des Bachs die Lebensqualität in Schneidhain erhöht (vgl. Bächle in Freiburg i.Br.) und die WRRRL erfüllt. Es stellt sich die Frage, ob nach einer Entrohrung des Baches es nach WRRL zulässig ist, diesen wieder in ein Rohr zu legen, wie dies der B-Plan vorsieht.
  6. Die Festsetzung zu den Energiestandards ist sehr schwach. Es wird empfohlen, Passivhausbauweise oder Niedrigenergiebauweise zumindest vorzuschlagen. Die Nutzung regenerativer Energien sollte bei jedem neuen Wohn- und Geschäftsgebäude selbstverständlich sein. Hier wird erneut die Chance vergeben, eine Vorzeigesiedlung mit geringstem Energieverbrauch zu bauen. Die Festsetzung der Häuser im Passivhausstandard hätte den Vorteil, dass Schallschutzmaßnahmen integriert werden könnten (siehe Schallgutachten).
  7. Schallgutachten: Die Häuser IP1,2,3,4 und 5 sind massiv vom Lärm und teilweise vom zusätzlichen Verkehr auf der B455 beeinträchtigt. Hier sieht der Gutachter baulich zwingend notwendige Schallschutzmaßnahmen vor. Neubaugebiete mit Schallschutzmaßnahmen auszustatten, weil ein ebenfalls neu gebauter Markt die Schallbelastung zusätzlich erhöht, erscheint abstrus. Stattdessen sollte der Markt von den bestehenden Häusern weg gerückt werden und die Anzahl der Häuserzeilen um eine Zeile reduziert werden (also nur drei Häuserzeilen vorsehen). Dadurch würde ein größerer Abstand von der ersten Häuserzeile zum Markt ermöglicht, zudem könnten die Zufahrtsbreiten (siehe hier Pkt. 2) erhöht, die Grünflächen erweitert werden. Zudem sollte eine gut gestaffelte Begrünung zwischen dem Markt und den Häuserzeilen den Lärm vom Markt, von der B455 und dem Speditionsbetrieb abschirmen helfen (s. Grafik des BUND unten).
    Die nach Inbetriebnahme der Nordwestlandebahn geänderten Flugrouten vom Frankfurter Flughafen fehlen in der Gesamt-Lärmanalyse.

    Seitenansicht von Westen / Vorschlag des BUND:

    Schallwellen_BUND_geschnitten.png
    Rot (Kreise): Schallwellenausbreitung
  8. Die bestehenden Kinderspielplätze sollen vor die Heinrich-Dorn-Halle verlegt werden, somit wird ein bislang unversiegelter Bereich neu versiegelt. Die Bodenversiegelungs-Bilanz wird aus den Unterlagen nicht ersichtlich. Der Geltungsbereich des B-Plans müsste auf den Bereich vor der Heinrich-Dorn-Halle erweitert werden.
  9. Die Abwassersituation ist heute schon unbefriedigend. Die Kanalkapazität reicht heute schon nicht aus. Hier dürfte eine Kanalerweiterung dringend geboten sein.

Stellungnahme zu B-Plan S13 „Sportplatz Schneidhain“ Königstein im Taunus

  1. Die Neuversiegelung von 17.631 m2 im Außenbereich mit einem Kunstrasenplatz und dazugehörigen Sportbahnen und Stellplätzen wird kritisch gesehen.
  2. Die Bebauung mit einem Vereinsheim zu dem es keine baulichen Festsetzungen gibt, wird als kritisch angesehen. Hier sollten eindeutige energetische und Maximalhöhenvorgaben gemacht werden. Das Sportlerheim sollte in Passivhaus- oder ähnlichem Standard erbaut werden.
  3. Die Höhe des Sportplatzes wird auf 299 m ü.NN festgelegt. Dies beinhaltet eine Aufschüttung von 3 bis 6 m hangseitig Richtung Bahn und Wanderweg (Am Zankwald) und eine Abstützung mit Gabionenwänden. Die dazu nötigen Erdbewegungen werden als kritisch angesehen. Die Mikroklimawirksamkeit der Aufschüttung ist gutachterlich zu prüfen.
  4. Das Niederschlagswasser soll laut B-Plan in die „Braubach“ geleitet werden. Aus Kunststoffrasenplätzen werden jedoch problematische Schadstoffe ausgewaschen (bspw. Cyclohexylamin, Anilin und Benzothiazol). Die Entwässerung und Klärung muss anders gelöst werden.
  5. Der „Graben“ von dem in Ziffer 2.1. des Umweltberichts die Rede ist, ist die wieder an der Oberfläche verlaufende Braubach, die in ihrem Verlauf stark gestört ist. Hier muss nach WRRL eine Lösung gefunden werden. Ebenso ist hier die Fauna (Feuersalamandervorkommen!) gutachterlich zu überprüfen.
  6. Die beschriebene ungepflegte Streuobstwiese hat mit ihrem Altholzbestand einen hohen ökologischen Wert, der im Umweltbericht nicht gewürdigt wird.
  7. Die Wildkatze kreuzt vom westlich gelegenen Wald Richtung Königstein-Johanniswald das überplante Gebiet. Die Umweltprüfung muss hierauf eingehen.
  8. Fälschlicherweise wurden die Wildkatze und der Feuersalamander von der weiteren Betrachtung der Auswirkungen des Sportplatzneubaus ausgeschlossen.
  9. Die Zunahme an Verkehr bringt erhebliche Emissionen mit sich, die sich im B-Plan nicht wiederfinden. Sie haben jedoch Auswirkungen auf die Bewohner an der B455 und sind dem B-Plan-Geltungsbereich zuzurechnen.
  10. Die Ausstattung des Sportplatzes mit der notwendigen Flutlichtanlage wird nicht thematisiert. Ebenso die Auswirkungen einer Flutlichtanlage auf die nachgewiesene Fledermauspopulation am angrenzenden Waldrand.
  11. Kompensation: Der Sportplatz wird als Grünland-Ansaat vorausgesetzt, soll jedoch nach dem Willen der Stadt als Kunstrasenplatz angelegt werden. Hier ist die Bilanzierung fehlerhaft. Das Vereinsheim wird mit Biotopwertpunkten bilanziert, obwohl hier 600 m² Fläche neu versiegelt werden, ebenso werden die Stellplätze mit 7 BWP je m² bilanziert – dies ist vollkommen unverständlich. Die BWP werden falsch angewendet Bsp: 01.152 weist 32 BWP auf, 02.100 36 BWP. In der B-Plan-Bilanz erscheinen sie mit 28 BWP! Hier muss schon fast Manipulation der erforderlichen BWP-Kompensation unterstellt werden. Die Bilanz muss vollständig neu dargelegt werden. Die Katalogisierung erscheint nach der Ortskenntnis des BUND nicht angemessen und die tatsächlichen Gegebenheiten unterdurchschnittlich bewertet zu sein. Ungefasste Quellen und Gräben sind ebenso gänzlich anders zu bilanzieren.
  12. Der B-Plan S13 wird als ungenügend erarbeitet angesehen und muss deutlich nachgebessert werden.

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Die EU-Wasserrahmenrichtlinie (WRRL)

Diese Richtlinie ist am 22.12.2000 in Kraft getreten.

Die Ziele, die für uns relevant sind, sind:

  • Schutz und Verbesserung des Zustandes aquatischer Ökosysteme und des Grundwassers einschließlich von Landökosystemen, die direkt vom Wasser abhängen
  • Förderung einer nachhaltigen Nutzung der Wasserressourcen
  • Schrittweise Reduzierung prioritärer Stoffe und Beenden des Einleitens/Freisetzens prioritär gefährlicher Stoffe
  • Verschlechterungsverbot

Die Richtlinie ist durch Änderungen im Wasserhaushaltsgesetz (WHG) und in den Landeswassergesetzen sowie durch den Erlass von Landesverordnungen umgesetzt worden. Das novellierte Wasserhaushaltsgesetz ist fristgerecht im Juni 2002 in Kraft getreten. Auch alle Bundesländer haben ihre Wassergesetze zur Umsetzung der Richtlinie angepasst.

Quelle: Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit

Meine Schlußfolgerung.

Ebenso, wie der BUND oben schreibt, bezweifle auch ich, dass es richtig ist, wenn die Braubach im Rohr verlegt wird bzw. weiterhin unterirdisch bleibt.

Es dürfte sich um eine Verschlechterung handeln, da eine Verlegung der Braubach unter den Erdbeerstein auch gleichzeitg eine Verlängerung der Rohrleitung darstellt. Das wäre auch für die dort wandernden Tiere schlechter.

Fraglich ist, ob auch der oberirdische Teil der Braubach östlich des Gewerbegebiets bzw. der B455 wegen der Verlegung der Rohre am Sportplatz verlegt werden muß.

Eine Verbesserung, die von der WRRL gefordert wird, kann ich in dem Unterfangen nicht entdecken.

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