Was der Kunstrasen kostet und bringt.

Alle Welt will nur noch auf Kunstrasen spielen. Außerdem hört man viel über die Gesundheitsgefahren. Hier folgt der Versuch einer Auflistung bzw. einer Analyse:

– Spieldauer pro Woche

– Baukosten und Abschreibung

– Unterhaltskosten

– Zusammenfassung der Kosten

– Verletzungsgefahren

– Fazit

– Meine Meinung

Anmerkung: Ich rechne die ganze Analyse "schön", es wird also großzügig auf- bzw. abgerundet, auch, damit es sich leichter rechnen läßt.

Spieldauer pro Woche, 40 Wochen im Jahr (ohne Ferien etc.)

Was der Sportverein ungefähr braucht.

Unser Sportverein SG BW hat ca. 50 – 60 Fußballer. Sie hoffen, dass diese Abteilung wächst, wenn der neue Platz da ist. Deshalb gehe ich von 100 Personen aus. Ich hoffe, dass das realistisch ist.

100 Personen sind ca. 5 – 6 Mannschaften. Diese trainieren jede zwei Mal pro Woche, á 90 Minuten. Damit ergeben sich Fußballtrainingszeiten von ca. 18 Stunden pro Woche.

Dazu kommen die Spiele mit ca. 7 Spielen je Mannschaft je Jahr á 90 Minuten:  63 Stunden. (Das ist eine Überschlagsrechnung, "junge" Mannschaften spielen kürzer, dafür die "älteren" häufiger.) Aufgerundet: 70 Stunden.

Im Jahr sind das dann 790 Stunden, aufgerundet 800 Stunden.

Was auf dem Platz möglich wäre bei voller Auslastung.

Der Platz ist im optimalen Fall 10 h pro Tag (exklusive Sonntag) ausgelastet. In diesem Fall gehen wir davon aus, dass die Schule den Platz komplett jeden Vormittag von 8 – 12 Uhr belegt. Das ist zwar unrealistisch, aber eventuell sind auch andere Vereine auf dem Platz (z.B. die Fanfaren) oder andere Sportarten, so dass es größenordnungsmäßig wieder stimmen sollte.

Damit verbleiben 6 h je Tag für den Verein: 6 h/Tag x 6 Tage/Woche x 40 Wochen/Jahr = 1440 Stunden/Jahr, von denen nach obiger Schätzung NUR ca. 56 % vom Verein genutzt werden.

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Baukosten und Abschreibung.

Der Platz wird eine Größe von 60 x 90 m² haben. Nach einer Recherche im Internet habe ich leider nur eine Preisangabe und diese ohne Größe gefunden:

Baukosten:                                         450.000,- €
ein neuer Belag nach 12,5 Jahren:        215.000,- €
Entsorgung alter Belag:                         15.000,- €

Summe:                                              680.000,- €  (berechnet für 25 Jahre)

Mammolshain rechnet mit Baukosten von 350.000,- €. Mit deren m²-Preisen käme ich auf entsprechend 580.000,- €. (Anmerkung: ist der Platz in Mammolshain noch kleiner als unser neuer? Dann wären sie außerhalb der DFB-Norm!) Die sich im Weiteren daraus ergebenden Zahlen finden Sie unten in Klammern.
(Siehe: www.kunstrasen-mammolshain.de)

Die Abschreibungskosten sind der Betrag, der zurückgelegt werden muß, um den Platz nach 25 Jahren zu sanieren: In unserem Fall: Baukosten + Belag + Entsorgung alter Belag = 680.000,- € (580.000,- €)

Das bedeutet, dass nach Anschaffung eines Kunstrasenplatzes in jedem Jahr 27.200,- € (23.200,- €)zurückgelegt werden müssen.

Zum Vergleich: Ein Naturrasen kostet nur 180.000,- € in der Neuanlage, die Abschreibung entfällt, da der Platz nie neu angelegt werden muss. Ich berücksichtige aber trotzdem eine Neuanlage nach 25 Jahren. Das bedeutet, die Abschreibungskosten betragen 7.200,- € pro Jahr.

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Unterhaltskosten.

Laut Internet sind die Unterhaltskosten beim Naturrasen leicht höher als beim Kunstrasen.
Laut den Angaben aus Mammolshain sind die Kosten für den Naturrasen doppelt so hoch wie für den Kunstrasen.

Deshalb nehme ich hier für beide die Unterhaltskosten des Kunstrasens an, denn wir würden beim Naturrasen sicherlich nicht die Luxuspflege bekommen, die im Internet angesetzt wurde.

Die Unterhaltskosten für den Naturrasen belaufen sich auf (abgerundet) 30.000,- € pro Jahr (laut Internet), Mammolshain rechnet mit 1,40 €/m², das wären 7.560,- €. Das erscheint mir arg wenig, die Realität dürfte in der Mitte liegen, also schätze ich mal, dass 19.000,- € realistisch sind.

Zusammenfassung der Kosten.

TE = Trainingseinheit = 90 Minuten

Naturrasen

Kunstrasen

Mammolshainer
Werte

Baukosten

180.000,-

450.000,-

350.000,-

Abschreibung/Jahr

7.200,-

27.200,-

23.200,-

Unterhaltskosten/Jahr

30.000,-

30.000,-

19.000,-

Summe/Jahr

37.200,-

57.200,-

42.200,-

Kosten je TE (6 x pro Tag und 240 Tage pro Jahr = 1440 x)
optimale, maximale Auslastung

25,83

39,72

29,30

übliche Benutzung, 900 TE im Jahr
(nur ab 12 Uhr z.B., oder Regentage abgezogen)

41,33

63,55

46,88

Break-Even-Point (Bei wievielen Stunden pro Jahr kostet
der Kunstrasen genauso viel wie der Naturrasen bei
geringer Ausnutzung?)

 

1384 TE

1021 TE

Daraus wird deutlich, dass der Kunstrasen, der übrigens auch bei Regen deutlich länger bespielbar ist als ein Tennenplatz (Hartplatz), schon deutlich höher ausgelastet werden muß, wenn er sich rechnen soll.

Mit den aktuellen Mitgliederzahlen müßte also bei 2-3 Mannschaften jede 4 x pro Woche und mehr trainieren, damit er sich lohnt.

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Verletzungsgefahren.

Die Verletzungsgefahr steht und fällt mit der Güte des Bodens. Ein guter Boden dämpft ähnlich gut wie ein Naturrasen, ein schlechter eher wie ein Hartplatz.

Nach einer Studie im Internet (http://www.buero-hoppe.de/kunstrasen-verletzungsrisiko.htm) ist überschlägig betrachtet die Verletzungsgefahr im Training auf Kunstrasen (124) mehr als doppelt so hoch wie auf Gras (54). Im Spiel relativiert sich das etwas, dort ist die Verletzungsgefahr auf Kunstrasen nur noch etwas höher (142 zu 129). Der Unterschied leitet sich in der Mehrheit daraus her, dass der Kunstrasen besser bremst, als ein Naturrasen oder ein Hartplatz.

Verbrennungen/Schürfwunden hat diese Studie nicht untersucht. Wollte man diese noch hinzufügen, so ergäbe sich ein noch schlechteres Bild für den Kunstrasen. (Der Hartplatz ist diesem Punkt wahrscheinlich noch schlechter als ein Kunstrasen.)

Im Vergleich zu einem Hartplatz stellt der Kunstrasen definitiv eine Verbesserung dar. Allerdings dürfte sich die Häufigkeiten der Verletzungsarten ändern, wenn der Kunstrasen gut gedämpft ist. Bekommen wir einen "billigen" Kunstrasen mit schlechter Dämpfung, so dürften sich ähnliche Verletzungsmuster wie bislang ergeben. (Schürfwunden nicht berücksichtigt.)

Da es sich um einen Freiluftrasen handelt, kann die Belastung durch Ausgasung und Feinstaub vernachlässigt werden. Fraglich ist allerdings, wie sich der Kunststoffabrieb bei Schürfwunden verhält. Da er in der Korngröße deutlich kleiner ist, dürften Schürfwunden häufiger eher Verbrennungen ähneln und weniger blutig ausfallen. Damit müsste auch die Infektionsgefahr sinken. Warten wir es ab.

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Fazit.

Verletzungsmäßig ist ein Kunstrasen schlechter als ein Naturrasen, aber besser als ein Hartplatz.

Kostenmäßig ist ein Kunstrasen allerdings wesentlich teuerer und im Unterhalt auch.

In den Unterlagen der Stadt wird nirgendwo eine zu erwartende Rücklage bei den Kosten eingerechnet!

Das ist bei unseren derzeitigen Haushaltssituation mehr als fahrlässig und reitet die Stadt eher noch tiefer rein.

Fragt sich, an welcher Ecke im Gegenzug dafür in den nächsten Jahren gespart werden muß: Kindergärten, Müllabfuhr, Bibliothek...?

Wollte man diese Kosten pro Jahr dem Verein aufbürden, so müsste jedes Mitglied (500, eine Verdoppelung der Fußballer mal unterstellt) pro Jahr 114 € (84,40 €) zusätzlich dafür aufbringen...

Entwässerung: Durch den Kunststoffabrieb kann der Kunstrasen nicht in die Braubach entwässert werden. Dadurch und durch die Lage wird durch die Entwässerung in die Kanalisation ein Hebewerk und ein Wasserrückhaltebecken notwendig. Diese Kosten fehlen in dieser Analyse komplett.

Ganz grob setze ich diese zusätzlichen Kosten einfach mal mit den 100.000,- € an, die der Mammolshainer Kunstrasen günstiger angesetzt wird. Dies dürfte trotzdem deutlich zu niedrig sein, meiner Schätzung nach dürfte eine solche Hebeanlage ca. 250.000,- € kosten, inklusive der Verrohrung und eines Wasserrückhaltebeckens. Dazu kommen die Wartungsarbeiten am Hebewerk und ebenso dessen Abschreibung und diverse Reparaturen und ein Austausch nach 25 Jahren.

Dies berücksichtigt kann man wohl mit Fug und Recht wenigstens die angegebenen Kosten veranschlagen und Mammolshain als glücklicherweise günstigere Investition betrachten.

Nur wenn der Kunstrasenplatz am alten Ort gedreht und verkleinert gebaut würde, kann man die Kosten von Mammolshain ansetzen. Verkauft man die Schrebergärten und den Geländestreifen vom "Supermarkt", so lassen sich von diesem Erlös locker die Baukosten und eine Summe für den Umbau/Sanierung des Vereinsheims bezahlen. Siehe dazu die Excel-Tabelle im Menüpunkt Rechenspiel!

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Meine Meinung.

Der neue Sportplatz ist ein echter Mercedes unter den Kunstrasenplätzen der Region, inklusive der höheren Inspektionskosten. Der Sportverein kann dann wirklich stolz drauf sein.

Ich fürchte aber, dass sich die Stadt damit finanziell bei den Unterhaltskosten (Platz und Hebewerk) übernimmt. Und die Folgekosten und deren Bezahlung in 25 Jahren stehen in den Sternen.

Im schlimmsten Fall geht in ein paar Jahren (nach fünf Jahren VOB) das Hebewerk kaputt und die Stadt hat kein Geld für die Reparatur. Dann wird der Platz vielleicht sogar unbespielbar...

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